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Spracherwerb

Wie wir die Sätze unserer Muttersprache bilden, folgt einem sehr komplexen Muster. Meist wird uns das erst bewusst, wenn wir eine Fremsprache lernen und dazu plötzlich neue Regeln des Satzbaus lernen müssen. Wie lernen wir solche komplexen Muster?
Selbst Kleinkinder produzieren größtenteils grammatisch korrekte Sätze - und das lange bevor sie Rechnen oder Fahrradfahren können. Demgegenüber fällt es uns oft schwer im Erwachsenenalter eine weitere Sprache zu erlernen. Weshalb ist das so?

Wir untersuchen das Lernen sprachlicher Regeln zum Beispiel mit der Hilfe sogenannter "künstlicher Grammatiken".  Eine künstliche Grammatik besteht nur aus wenigen Elementen (Tönen, Silben oder Fantasiewörter) und Regeln, die festlegen, wie die Elemente angeordnet sind. Bei solchen Mini-Sprachen können selbst kleine Babies innerhalb weniger Minuten wiederkehrende Muster erkennen. Wir möchten verstehen, wie sich diese Fähigkeit im Laufe des menschlichen Lebens entwickelt und welche Gehirnprozesse dabei auftreten.

Auch das Lernen von Wörtern ist komplizierter als es auf den ersten Blick scheint, denn nicht alle Wörter sind gleich. Es gibt Wörter für sichtbare, für hörbare und für fühlbare Dinge, wie Ball, Lied und Wind. Manche Wörter sind abstrakt und nur durch die Verknüpfung mit anderen Vorstellungen verstehbar, wie z.B. Gerechtigkeit. Wie schaffen wir es, all das in unser mentales Lexikon zu integrieren? Wir möchten herausfinden, wie genau unsere unterschiedlichen Sinneserfahrungen und Ideen mit Wörtern verknüpft werden.

Zur Untersuchung dieser Fragen benutzen wir die Methode der Elektroenzephalographie (EEG) in unserem Kindersprachlabor and der Universität Osnabrück, aber z.B. auch funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRT) und funktionelle Nahinfrarotspektroskopie (fNIRS) in Kooperationsstudien, z. B. mit dem Max Planck Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig.



ausgewählte Publikationen:




Díaz, B., Erdocia, K., de Menezes, R.F., Mueller, J. L., Sebastián-Gallés, N.& Laka, I. (2016). Electrophysiological correlates of second-language syntactic processes are related to native and second language distance regardless of age of acquisition. Frontiers in Psychology, 7:133.
https://doi.org/10.3389/fpsyg.2016.00133

Mueller, J. L., Rueschemeyer, S.-A., Ono K., Sugiura, M., Sadato N. & Nakamura, A. (2014). Neural networks involved in learning lexical-semantic and syntactic information in a second language. Frontiers in Psychology, 5, 1209.
http://dx.doi.org/10.3389/fpsyg.2014.01209

Mueller, J. L., Friederici, A. D., & Männel, C. (2012). Auditory perception at the root of language learning. Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America, 109(39), 15953-15958.  http://dx.doi.org/10.1073/pnas.1204319109
 
Mueller, J. L., Bahlmann, J., & Friederici, A. D. (2010). Learnability of embedded syntactic structures depends on prosodic cues. Cognitive Science, 34(2), 338-349.  http://dx.doi.org/10.1111/j.1551-6709.2009.01093.x

Mueller, J. L., Hahne, A., Fujii, Y., & Friederici, A. D. (2005). Native and nonnative speakers’ processing of a miniature version of japanese as revealed by ERPs. Journal of Cognitive Neuroscience, 17(8), 1229-1244.  http://dx.doi.org/10.1162/0898929055002463