Überblick

Was ist Kognitionswissenschaft?

Vor mehr als zwei Jahrtausenden begannen Philosophen über die Eigenschaften von Geist und Materie nachzudenken. Vor wenigen Jahrhunderten begann man, Denken als 'mentale Berechnung' zu verstehen. Mit der Erfindung des Computers in diesem Jahrhundert konnte diese Idee modelliert werden. In den letzten Jahrzehnten haben Forscher verschiedener Disziplinen zusammengearbeitet, um mentale Prozesse und mentale Repräsentationen zu untersuchen und intelligente Systeme zu bauen. Erst in den letzten Jahren wurde deutlich, dass es notwendig ist das Gehirn und seine neuronale Architektur zu erforschen. Daraus ist jetzt die Kognitionswissenschaft entstanden, eine 'Interdisziplin' mit folgenden Schwerpunkten:

  • die wissenschaftliche Erforschung von Geist und Gehirn,
  • die Erklärung des menschlichen sprachlichen und nichtsprachlichen Verhaltens, und
  • die entwicklung künstlicher intelligenter Systeme.

Sie umfasst zentrale Aspekte der Disziplinen:

  • Anthropologie,
  • (Neuro-)Biologie,
  • Informatik,
  • Künstliche Intelligenz,
  • (Computer-)Linguistik,
  • Mathematik,
  • Neurowissenschaften
  • Neuroinformatik
  • Philosophie,
  • (Kognitive) Psychologie.

Kurzbeschreibung des Programms

Obwohl Kognition bereits seit über zweitausend Jahren erforscht wird, ist die Kognitionswissenschaft als anerkanntes
akademisches Fach relativ jung. Etwa im Jahre 1975 entwickelte sie sich aus konvergierenden Forschungsansätzen in verschiedenen Fächern, nämlich Philosophie, Psychologie, Neurowissenschaft, Linguistik und Künstliche Intelligenz (als Teil der Informatik). Zuerst wurden inter- und multidisziplinäre Forschungsprogramme ins Leben gerufen, danach ausgedehnte Studienbereiche und Forschungszentren eingerichtet und schließlich ganze Studiengänge erstellt und Fakultäten gegründet. Die USA, Großbritannien und Kanada führen diese Entwicklung an, aber Europa holt zunehmend auf.

Die Bachelor, Master & PhD Programme in Osnabrück sind die ersten grundständigen Studiengänge in Kognitionswissenschaft, die in Deutschland angeboten werden. Im vor allem methodenorientierten Bachelorprogramm erwerben die Studenten den "Bachelor of Science" in Kognitionswissenschaft. Das viersemestrige Masterprogramm behandelt phänomenologische Bereiche der Kognition theoretisch, empirisch und durch Implementation. Am Ende des Masterprogramms können die Studenten den Grad des "Master of Science" in Kognitionswissenschaft erwerben. Das Promotionsprogramm ermöglicht exzellenten Studenten eigenständige Forschung zu hoch aktuellen Themen der Kognitionswissenschaft und ist gleichzeitig so strukturiert, dass eine Promotion innerhalb von drei Jahren abgeschlossen werden kann. Der erworbene Grad ist der "Ph.D in Cognitive Science".

Als internationaler Studiengang, bekannt gemacht und gefördert vom Deutschen Adakemischen Austauschdienst (DAAD) und unterstützt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), zielt Kognitionswissenschaft darauf ab eine gleiche Anzahl deutscher und ausländischer Studenten anzuziehen, und strebt nach internationaler Vergleichbarkeit der Ausbildung (Bachelor- und Mastergrad, Credit System, Englisch als Unterrichtssprache). Hier soll gleichzeigtig ausländischen Studierenden die Möglichkeit gegeben werden, in Deutschland zu studieren und ein offensichtlicher Bedarf in Deutschland selbst gedeckt werden.

Der methodologische Ansatz der Kognitionswissenschaft enthüllt deutlich das interdisziplinäre Erbe des Fachs:
Kognitionswissenschaft verbindet humanistische und analytische Methoden der Geisteswissenschaften und der formalen Wissenschaften (z.B. Theoretische Linguistik) sowohl mit den wissenschaftlichen, experimentellen Methoden der Psychologie und Neurowissenschaft, als auch mit den synthetischen und konstruktiven Techniken der Informatik. Ein Beispiel ist natürliche Sprachverarbeitung: Auf den linguistischen Theorien der Grammatik basierend, werden psycholinguistische Hypothesen menschlicher Sprachverarbeitung durch Experimenten getestet. Gestützt auf Erkenntnisse der Künstlichen Intelligenz führt sie darüber hinaus zu der Entwicklung von Simulationsmodellen mit Hilfe von Programmiertechniken der Computerlinguistik ("kognitive Modellierung").

In Anbetracht der Tatsache, dass die deutsche Kognitionswissenschaft noch immer von der kaum fruchtbaren Trennung zwischen "kognitiven Modellierern", "Experimentatoren" und "Neurowissenschaftlern" charakterisiert ist, ist für den neuen Studiengang von großer Wichtigkeit und großem Vorteil für das Profil des Studienganges
den Schwerpunkt auf die gegenseitige Ergänzung und die mögliche Integration dieser Ansätze zu legen.

Das Studium umfasst den Erwerb der Methoden und der praktischen Erfahrung in:

  • Informatik und Mathematik (konkret: Algorithmen und Programmiersprachen; Formale Sprachen; Mathematische Grundlagen der Kognitionswissenschaft; Künstliche Intelligenz, einschließlich Wissensrepräsentation, Lernen, Planen und Multiagentensysteme)
  • Psychologie (konkret: Methoden der empirischen Forschung; Kognitive Psychologie; Persönlichkeitspsychologie; Verhaltenspsychologie; Entwicklungspsychologie; Neuropsychologie)
  • Neurowissenschaft und Biologie (konkret: Bildgebende Verfahren; Neurobiologie; Neuroanatomie; Neuroethologie; Neurocomputing)
  • Linguistik und Psycholinguistik (konkret: Lexikon; Syntax; Semantik; Pragmatik; Theorien der Grammatik)
  • Philosophie (konkret: Philosophie des Geistes; Theorien des Wissens; Wissenschaftstheorie; Philosophische Logik; Ethik)

Das Masterprogramm beinhaltet dazu Spezialisierungen mit Hinblick auf die Mutterdisziplinen oder zentrale Fragen der Kognitionswissenschaft. Ebenfalls wird die Integration von Praxisanwendungen der Analyse und der Modellierung von kognitiven Systemen durch projektbezogenes Arbeiten betont (die Teilnahme an einem einjährigen Studentenprojekt ist obligatorisch).

Akkreditierung des Bachelor- und Master-Studiengangs

Am 15. Januar 2003 wurden der Bachelor- und Master-Studiengang von der Zentralen Evaluations- und Akkreditierungsagentur Hannover (ZEvA) akkreditiert. (Akkrediterungsbescheid (PDF)). Die Re-Akkreditierung beider Programme erfolgte in 2011 durch die "Agentur für Qualitätssicherung durch Akkreditierung von Studiengängen" (AQAS) (Akkreditierungsbescheid).

Regularien

Bewerbungsanforderungen, Zulassungsbedingungen, Studien- und Prüfungsordnungen für Bachelor-, Master- bzw. Promotionsprogramm finden sich auf den Seiten der jeweiligen Programme.

Allgemeine Informationen

  • Berufspraxisfelder der Kognitionswissenschaft. Bericht der Berufspraxiskommission (BPK) der Gesellschaft für Kognitionswissenschaft (GK) für den Zeitraum 10/94-2/96, erschienen in Kognitionswissenschaft 6, 135-142.
  • Allgemeine Informationen über die Universität Osnabrück und die Studiengänge finden sie auf der Homepage der Universität
  • Die Studierenden der Kognitionswissenschaft sind sehr aktiv. Sie haben ein Fachschaft gegründet, die ebenfalls eine Menge interessanter Informationen auf ihrer Homepage anbietet
  • Hier finden sich einige Informationen über Stipendien und finanzielle Unterstützung, gesammelt von der Universität.